Gastbeitrag von Joachim Sondern

Gestern erhielt ich eine Mail von Joachim Sondern in der er anfragte, ob ich bereit sei ein von ihm verfasstes Statement zu veröffentlichen. Welch eine Frage … trifft er doch damit genau den Puls der Zeit. Aber lesen Sie bitte selbst – Sie werden sich in dem was er schreibt vielleicht selbst erkennen, von Erfahrungen, die Sie eventuell selbst gemacht haben …

Ein Schriftsteller und sein Weg – als Mensch nichts mehr wert

Was ist man als Mensch eigentlich noch wert? Diese Frage stellt man sich, wenn man voller Ehrgeiz und Tatendrang versucht mit seiner Idee wieder von ganz unten aufzustehen. Es gibt Momente, da müssen Erlebnisse einfach raus an die Öffentlichkeit, denn wenn man merkt, dass es vielen Menschen so ergeht, ist es höchste Zeit, das Schweigen zu brechen und die soziale Kälte zu demaskieren. Ist man finanziell gefallen, kann man nur ganz schwer wieder aufstehen, eine Tatsache, die unlängst bekannt ist. Wenn man dann noch kritisch ist und einer Tätigkeit nachgeht im Sinne der Menschlichkeit, welche nicht alltäglich ist, so muss man mit noch größeren Hürden rechnen.

Stellen Sie sich mal vor, sie verschicken Hunderte oder Tausende von Emails, alle individuell verfasst und müssen feststellen, dass zu 95 Prozent gar nicht erst darauf reagiert wird? Immer wieder wird den Menschen suggeriert, dass es immer weitergeht, jeder darf seine Ideen umsetzen, auch wenn er finanziell einmal gefallen ist: Es zählt nur der Wille, die Bereitschaft zu arbeiten. Schön wäre es ja; doch während Banken Milliarden verzocken, bekommt ein kleiner Unternehmer nach einem Fehlstart keine weitere Chance. Als Mensch ist man nichts mehr wert – die Schufa hat gesprochen.

Was aber, wenn man eine Idee in sich trägt, dafür gearbeitet hat und innerlich nicht mehr ablassen kann von diesem Weg, weil man ganz genau weiß, dass es der Weg ist, den man gehen kann? Richtig, dann fängt ein Mensch an, aus dem Nichts heraus zu arbeiten, bis zum äußersten zu kämpfen, um wieder etwas Sonne zu sehen. Einen solchen Menschen seine finanzielle Lebensexistenz abzusprechen, nur weil er auf seinen Weg bleibt, ist unmenschlich in jedweder Beziehung.

Als Schriftsteller ist es da noch schlimmer, denn noch immer akzeptieren eine Menge Menschen nicht, dass es ein Beruf ist. Persönlich kann ich mir nichts anderes vorstellen in meinem Leben, da ich der Wortkunst verfallen bin, dafür lebe. Sollte in einer Demokratie nicht jeder Mensch entsprechend seiner Prägung sich bewegen dürfen? Bisher habe ich 3 Buchprojekte mit viel Einsatz und einer Menge Herzblut verfasst, positives Feedback erhalten aus allen Richtungen, doch Menschen mit Kapital spielen trotzdem mit einem. Sie verstehen nicht, wenn es Weggefährten gibt, die ohne Versicherung, ohne alles vor dem endgültigen Aus stehen und keine Zeit mehr zu verlieren haben.

Sie machen einem Hoffnung, reden Dir gut zu, um am Ende dann doch wieder zu sagen: „Sie sind ein armes Nichts und daher nicht seriös.“ Sie sagen es indirekt, aber nicht weniger hart. Was gefordert wird, tut man, optimiert, macht sich Nachts seine Gedanken, lebt voll und ganz für diesen Weg, um dann anzusehen, wie Schriften auf dem Buchmarkt landen, diesen blockieren, von Autoren, die nur aus PR-Gründen schreiben, nicht aber aus dem Herzen. Zuschussverlage verlangen hohe Kostenbeteiligungen, seriöse Verlage reagieren gar nicht erst oder lassen einen monatelang warten, wollen nicht verstehen, dass es Menschen gibt, für die Monate den Untergang bedeuten können. Ein Schreiber bekommt gesagt, dass er davon nicht leben kann. Kein Wunder, wenn der Verlag nicht mit Herz hinter dem Buch steht, und ein Großteil der Gewinne beansprucht.

Dann ist man voller Ehrgeiz, macht sich kundig, versucht einen Eigenverlag aufzubauen, weil man genau weiß, dass man selber mit seinen Büchern viel weiterkommt als über einen Verlag, doch niemand stellt einem das Kapital zur Verfügung. Warum auch? Ein armer, authentischer Autor, der schon einmal wirtschaftlich gefallen ist, mit dem kann keiner etwas anfangen. Ecken und Kanten sind nicht gefragt – dann doch lieber aalglatte „Milchgesichter“. Überall lange Anträge, Tausende von Erklärungen, die man abgeben muss. Da fragt sich ein jeder Mensch irgendwann, wofür er das Werk verfasst hat, ein ganz besonderes Buch, das viel bewegen kann, wenn alles zählt, nur nicht dieses Buch, um das es doch eigentlich geht.

Wer gar kein Kapital mehr besitzt und nur mit seiner Arbeit versucht zu überzeugen, bekommt zu spüren, dass er scheinbar nichts mehr wert ist. Nicht selten drängt man so Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen, ins endgültige, soziale Abseits. Beleidigungen, Diffamierung, Diskriminierung, alles muss sich die betreffende Person gefallen lassen, denn in dieser Welt kann sich der alles erlauben, der Geld besitzt und der, welcher für seine Arbeit alles gibt, doch finanziell unten ist, muss ordentlich einstecken können.

Was für eine grausame Welt, in der ein Mensch nur nach seiner Bonität bewertet wird. Hat ein Mensch, der wirtschaftlich gefallen ist, kein Recht auf seinem Weg zu bleiben? Muss er andere über seinen Weg bestimmen lassen? Wichtig ist doch dass ein Mensch aktiv ist, keiner ist perfekt und wirtschaftlich fallen kann jeder, oft vollkommen unverschuldet. Ist Geld so viel mehr wert wie eine menschliche Existenz? Der Eine schafft es im ersten Anlauf, der andere benötigt vielleicht ein zweites oder auch drittes Mal Kapital, um wieder in eine normale Existenz zu finden. Wenn Großkonzerne Milliarden verspielen, sagt niemand etwas, sie bekommen weitere Milliarden, finden irgendeinen Weg, wieder an Kapital zu kommen. Doch will man als kleiner Bürger aufrecht eine weitere Chance, dann stößt man auf Ablehnung. Dabei sind gerade oft die Werke, die Arbeiten von nicht bekannten Menschen besonders wertvoll.

Egal was auch kommen mag, ich für meinen Teil werde mir sicherlich nicht nehmen lassen, an das ich fest glaube. Für mich ist es eine Berufung, ein Weg, den ich so lange lebe, wie mein Herz schlägt. Egal wie viel kapitalstarke Damen und Herren auch ironisch lachen, denn letztendlich sind genau diese Normen nichts anderes als Schall und Rauch. Die Menschliche Welle kann etwas bewegen, weshalb ich nicht aufgeben werde. Vertretend auch für alle Menschen, denen man ihre Träume geraubt hat, die von ihrem Lebensweg verdrängt wurden. Unsere Kinder sollen in einer Welt aufwachsen, in der sie als Mensch wieder gefragt sind, nicht nur als Nummer im System. Vieles mag man einem Schriftsteller mit Herz und armen Menschen nehmen können, aber nicht seine Würde, seinen Glauben an seine Werke.

Für einen Weg einzustehen ist nicht leicht, man wird geprügelt und fragt sich oft, ob man richtig ist in dieser Zeit, in welche man hineingeboren wurde, doch dann gibt es diesen einen besonderen Moment, das Feuer in einem freiheitlich geprägten Menschen erwacht wieder, denn man weiß, wer man ist !

Auch wenn die Zeit rennt: Noch gibt es die letzte Hoffnung, dass die aufrechten Stimmen mich erhören!

So verbleibe ich

nachdenklich aber niemals aufgebend,

Ihr

Joachim Sondern

www.autor-joachim.eu

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2 Antworten zu Gastbeitrag von Joachim Sondern

  1. multiman schreibt:

    Hallo Joachim!
    Zwar etwas spät von mir gelesen, aber vielleicht kann es doch noch hilfreich sein?

    Ich erinnere mich, daß Egon W. Kreutzer auch das Problem hatte, daß er keinen Verleger für sein erstes Buch fand. Er gründete seinen eigenen Verlag und bietet mitlerweile schon einige Bücher von verschiedenen Autoren mit verschiedenen Themenbereichen an.
    Vielleicht ergibt sich was!?

  2. Innominate schreibt:

    Hallo Joachim,
    unabhängig von der Zeit, d.h. allgemein wie betr. Datum der Einstellung u. des Lesens/Kommentars:
    Dieses Schreiben besitzt weit mehr Realitätsinhalt, als ein erheblicher Großteil des allgemeinen Internet-Gekritzels. Dies fällt unter Zivilcourage, ein Manko unserer Gesellschaft.
    Wenn es ein Trost sein kann, der ebenso Mut machen soll zum weiteren aufrechten Gehen: Es gibt noch einige Wenige mehr, mit ähnlichen oder gar gleichen Lebenserfahrungen, Steigerungen eingeschlossen. In der jetztigen Zeit ein Plus, wenn es in jüngeren Jahren zutrifft.

    Erst wenn eine Tür zufällt, kann eine andere sich öffnen!

    Alle guten Wünsche!

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