Israel und seine „Großzügigkeit“ in Sachen Gaza-Blockade

Nach dem Massaker am 31.05.10 auf der “Mavi Marmara“ dem Hauptschiff der „Freedom for Gaza“ –Flottille und dem Sturm der Entrüstung aus aller Welt, steht die israelische Regierung – welch ein Wunder! -stark unter verbalen „Beschuss“.

Vermeintlich sich diesem Druck beugend, will Israel die Blockade des Gaza-Streifens nun „lockern“. Es sollen jetzt täglich 400 Lastwagen an Gütern – für die Gefängnisinsassen in Gaza – eine Einfuhr-Genehmigung bekommen! Wirklich sehr großzügig! Wenn man davon absieht, dass man mit Keksen, Gewürzen, Obstsäften etc. keine Häuser, keine Hospitäler, Schulen und Fabriken wiederaufbauen kann … Auch die bereits mehr als überlastete und marode Kläranlage lässt sich damit nicht sanieren. Dazu wäre ebenfalls Baumaterial nötig, das Israel – in seinem schon fast krankhaft zu nennenden Verfolgungswahn – den Palästinensern auch weiterhin vorenthält.

Gaza – Gefangen in der Kloake

So kommt es, dass die Fischer im Gaza-Streifen – in der von Israel erlaubten und dort durch die ins Meer laufenden Abwasser verseuchten Drei-Meilen-Zone – so gut wie keine Fische mehr fangen können.

Ahmad Schati – Gefängnis-Insasse im Gazastreifen – ist eigentlich Fischer mit Leib und Seele, er würde gerne wieder das Gefühl von Freiheit auf hoher See genießen und Fische fangen können so wie damals vor der Seeblockade.

Zitat aus WELT.online vom 06.06.2010:

Träge durchpflügt das Boot nun die verschmutzten Küstengewässer. Das Abwassersystem genoss in Gaza noch nie große Priorität und seit aufgrund der israelischen Blockade keine Ersatzteile für die Kläranlagen mehr nach Gaza kommen, hat sich die Situation noch verschärft. Als das Wasser seine bräunliche Farbe langsam verliert, muss Ahmad auch schon anhalten: Genau drei Meilen darf er hinausfahren. Das ist eigentlich nicht genug: „Hier ist alles leer gefischt“, sagt er. „Wir müssten mindestens zehn Meilen hinausfahren, um noch etwas zu fangen.“ In den Zusatzverträgen zum Osloer Abkommen 1994 war eine Fischereizone von 20 Seemeilen ausgehandelt worden. Doch 1999 machten die Israelis daraus zehn Meilen, 2006 waren es noch sechs Meilen und seit dem letzten Krieg sind es eben drei. Statt 3000 Tonnen Fisch im Jahr bringen die Fischer von Gaza heute noch etwa 500 Tonnen an Land.

Mit Sicherheitserwägungen könne das nicht viel zu tun haben: „Man kann auch zehn Meilen kontrollieren“, sagt er. Aber das sei eben der Sinn der Blockade, die Menschen leiden, aber nicht verhungern zu lassen. [1]

Zitat Ende

(Zwischenfrage: Wieso arbeitet denn die mit deutscher Hilfe gebaute Kläranlage nicht, die Dirk Niebel begutachten wollte? – siehe unten)

Eigentlich sollte der israelischen Regierung klar sein, dass man sich auf diese Art und Weise keine wohlwollende Nachbarn schaffen kann, sondern genau das Gegenteil von dem erreicht, was man angeblich erreichen will – nämlich, dass sich das palästinensische Volk von der demokratisch (und von westlichen Regierungen zur Wahlaufstellung gedrängten) gewählten Hamas-Regierung distanziert.

Angesichts der verheerenden Lebenslage der Palästinenser im Gaza-Streifen, darf es einen sicher nicht verwundern, dass auch dem „Neu-Juden“, Vizepräsidenten der deutsch-israelischen Gesellschaft und dazu noch deutschem Entwicklungsminister Dirk Niebel FDP, der Zugang zum Gaza-Streifen verwehrt wurde.

Zitat: [1]

Im Streit zwischen Israel und Deutschland über die abgesagte Reise von Entwicklungsminister Dirk Niebel in den Gazastreifen bemühte sich die Bundesregierung um Schadensbegrenzung. Eine Beeinträchtigung des Verhältnisses zu Israel „vermag ich nicht zu erkennen“, sagte Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. Niebel selbst erklärte: „Ich bin über die ganze Aufregung nicht glücklich.“

Zitat Ende

Dass sich die deutsche Regierung dadurch nicht brüskiert fühlt zeigt, wie tief das Ehrgefühl unserer „Staatsmacht“ bereits gesunken ist, wenn ein Abgeordneter der deutschen Regierung, nicht einmal ein mit deutschen Steuergeldern finanziertes –angeblich gebautes?- Klärwerk im Gazastreifen begutachten darf.

Interessant zu lesen ist dazu der heute erschienene Artikel der „Deutschen Welle“ – dw-world.de [2], der die Boykott-Maßnahmen und deren Auswirkung auf die Bewohner des Gaza-Streifens noch verdeutlicht.

Ebenso interessant, wenn auch nicht direkt Gaza, so aber doch die Situation der Palästinenser allgemein betreffend, das Videoblog von dem ARD-Korrespondenten Richard C. Schneider in Tel Aviv, Zwischen Mittelmeer und Jordan. Hier eine kleine Auswahl für Interessierte: Besuch im größten Flüchtlingslager des Westjordanlands [3], Es geht nicht nur um die Siedlungen [4]

Amnesty kritisiert Israels Wasserpolitik mit Palästina

Palästina & Israel – Blut für Wasser – Part 1/5

Nach den vorliegenden Tatsachen, kann ich leider nicht mit der offiziellen israelischen Behauptung konform gehen, dass es im Gaza-Streifen keine humanitäre Notlage geben sollte. Fakt ist, dass über 1,5 Millionen Menschen mit dreißig Litern Wasser pro Tag/Kopf (zum trinken, kochen, waschen und für die Bewässerung ihrer eh notdürftig bestellten Felder) auskommen müssen, während Israels Verbrauch bei über 300 Litern pro Tag liegt. Fakt ist ebenfalls, dass sie für dieses meist noch verschmutzte Wasser, das sie von Israel geliefert bekommen, auch noch bezahlen müssen, obwohl es Wasser aus palästinensischen Brunnen ist, die auf von Israel annektiertem Land liegen.

In meinen Augen spricht es auch nicht für israelische Humanität, wenn die Bewohner des Gazastreifens 1 ½ Jahre nach dem Krieg „Gegossenes Blei“, immer noch in Ruinen hausen müssen, die meisten Kinder keine Schule besuchen können usw. usf., weil die dafür grundlegend erforderlichen Baumaterialien auf der „schwarzen Liste“ für von der Einfuhr ausgeschlossenen Güter stehen.

Quellen:

[1] http://www.welt.de/die-welt/politik/article7924509/Leben-und-Ueberleben-in-Gaza-trotz-Blockade.html

[2] http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5718180,00.html

[3] http://www.tagesschau.de/ausland/videoblogschneider130.html

[4] http://www.tagesschau.de/ausland/videoblogschneider100.html

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter externe Quellen, Meinungen, Naher/Mittlerer Osten abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Israel und seine „Großzügigkeit“ in Sachen Gaza-Blockade

  1. Margitta schreibt:

    Hallo Josephine 1001,

    Mein Mann war 1997 über 9 Monate im Autrag seiner Firma in Israel und ich habe ihn da oft besucht. Wir sind durch das ganze Land gefahren und immer wenn wir in palästinensische Gebiete kamen, sprang uns die Ärmlichkeit förmlich an. Damals glaubten wir tatsächlich, dass dies nur an den Palästinensern liegen konnte, da auf israelischem Gebiet alles grünte und blühte und alles im Überfluss vorhanden war. Erst Jahre später erfuhren wir durch Uri Avnery, Amira Hass und andere, welches Spiel da seit langer, langer Zeit gespielt wird.

    Danke, dass Du Dich entschlossen hast, darüber mit aufzuklären. Das israelische Volk wird übrigens genauso manipuliert und dumm gehalten wie wir in Deutschland auch.

    Liebe Grüße und viel Erfolg
    Margitta

  2. josephine1001 schreibt:

    Hallo Margitta,

    zuerst bitte ich, mir zu verzeihen, dass ich mich so spät für Deinen Kommentar – und dessen mich schon wieder inspirierenden Inhalt 😉 – sehr herzlich bedanke.

    Bis vor einiger Zeit glaubte auch ich noch daran, dass die Palästinenser an ihrem „Unglück“ selber die Schuld tragen würden. Dank dem Internet konnte – nein, musste ich – aber dann mein angebliches „Wissen“ über den Sachverhalt revidieren. – Je mehr an Wahrheit ich erfahre, desto trauriger werde ich, dass auf beiden Seiten anscheinend nur egoistische, in sich selbst und ihre angebliche Macht verliebte, ignorante Despoten „regieren“, denen das Wohlergehen, die Wünsche und Hoffnungen des jeweiligen eigenen Volkes und dessen Interessen, völlig egal ist!

    Wie Du schon geschrieben hast – genauso dumm und manipuliert, wie hier das Volk in Deutschland. Aber hier wie dort gibt es einige – wenn auch noch wenige – die sich nicht mehr länger für dumm verkaufen und manipulieren lassen wollen.

    Hoffen wir, dass wir mit unseren „Aufklärungsversuchen“ noch mehr Menschen in die Realität des Lebens zurückholen können!

    Nochmals meinen Dank und liebe Grüße zurück,
    Josephine

  3. Pingback: Eine individuelle politische Bestandaufnahme (XIII) « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft

  4. Adalbert Naumann schreibt:

    Hallo die Damen,

    entschuldigen Sie, wenn ich mich hier einfach so in Ihre Unterhaltung einmische. Ich wollte Ihnen, geschätzte Josephine, vor allem zu Ihrem Mut gratulieren, sich mit diesem äußerst heiklen Thema auseinanderzustzen. Ich habe alle Ihre Artikel mit großem Interesse gelesen und kann (man sollte vielleicht besser sagen „muss“) Ihnen in allen Punkten zustimmen.

    @ Margitta & Josephine

    Es ist sehr angenehm, Menschen zu begegnen, die sich bereitwillig von Meinungen trennen, die auf mangelndem Wissen über die wahren Umstände basierten. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass Sie sich mit den Dingen auf eine angemessene Weise befassen und sich nicht von der ebenso übermächtigen wie einseitig verlogenen Propaganda blenden lassen, die von israelischer Seite (sowohl der offiziellen als auch der „ehrenamtlichen oder semiprofessionellen“!) mit unglaublichem Aufwand betrieben wird.

    Es wäre in der Tat sehr zu wünschen, dass unsere mediengeschädigten Mitmenschen, die den aufrechten Gang ebenso verlernt (oder aufgegeben) haben wie das eigenständige Denken, dieses Thema in der gleichen Weise betrachten und verarbeiten würden.

    In diesem Sinne wünsche ich noch viel Freude beim „Bloggen“ und weiterhin guten Mut beim Schreiben von und Diskutieren über wirklich tolle Artikel wie den obenstehenden.

    Mit aufrichtiger Wertschätzung und freundlichen Grüßen

    AN

    • josephine1001 schreibt:

      Schönen guten Tag Herr Adalbert!
      (Ich darf Sie doch so nennen? Familiennamen sind so unpersönlich und wir wollen uns doch zusammenfinden, um unsere Mitbürger/Innen vielleicht doch noch wach zu rütteln, bevor es endgültig zu spät sein wird)
      Dass Sie sich hier „eingemischt“ haben, ist absolut kein Problem – dafür ist der Kommentarbereich ja da 😉
      Ihr Lob und die Zustimmung, mit denen Sie meine Artikel belegen, wird mir ein Ansporn für meine weitere Arbeit sein! Aber es war weniger Mut, der mich dazu getrieben hat, dieses Blog zu „eröffnen“, als vielmehr Wut und Frustration. All die Halb-Wahrheiten und Lügen, in den Mainstream-Medien zu lesen und dann auch noch die BlindDummheit unserer Mitbürger/Innen mitzuerleben, die an all diesen gedruckten und TV-Quoten steigernden Mist glauben, wie an das Evangelium in der Kirche … !? Das war einfach zu viel für mich!
      Es tut mir leid wenn ich das jetzt so sagen muss: aber die Regierung Israels – zusammen mit den USA – sind – in meinen Augen – zurzeit die schlimmsten Kriegstreiber und Lügner. Dicht gefolgt von „unserer“ Re-Gier-ung, die sich einbildet, dass sie sich auf diese „Art und Weise“ einen sicheren Hort erschleimt für den Fall, wenn überall auf dieser eigentlich doch so schönen Welt, alles den Bach runter geht. Aber deren Problem soll dann nicht das unsere sein …
      Für Ihre aufbauenden und ermunternden Worte danke ich Ihnen sehr und würde mich sehr freuen, wieder von Ihnen lesen zu dürfen.

      Liebe Grüße,
      Josephine

  5. Pingback: Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s